24.10.2008

Nähe und Distanz - von dem Spiel mit der Anziehung

Neulich habe ich einen schönen Text gefunden, der mir sehr gefallen hat. Der Autor Andreas Kläne hat mir erlaubt, ihn hier zu veröffentlichen, vielen Dank!

Man müsse sich das Wort „Beziehung“ mal auf der Zunge zergehen lassen,
sagte mir letzte Woche eine Frau. Wenn Menschen von Liebe und
gleichzeitig von Beziehung sprechen, „wo kommen wir denn da
hin?!“ Das fragte sie zwar ernsthaft, aber mehr amüsiert als verbissen.
Einer ziehe nach da, der Andere nach dort. - Geht’s auch anders?

Egon zieht nicht. Egon zieht an.

Ich stelle mir gerade Menschen in einer Partnerschaft vor, die so ist, dass ich sagen würde, sie sei gut.

Was passiert da?

Da stehen Egon und Elfriede in Bezug zueinander. Und das heißt (wenn ihre Partnerschaft eine gute ist), dass sie sich nicht nur einander hingezogen fühlen. - Obwohl, was heißt “nicht nur”? Wenn Elfriede sich zu Egon hingezogen fühlt, dann geschieht das nicht, weil Egon zieht. Täte er’s, würde er über kurz oder lang bei Elfriede eine Gegenreaktion hervorrufen. Nein, ich glaube, diese Elfriede fühlt sich nicht zuletzt deshalb zu Egon hingezogen, weil er eben nicht an ihr zerrt.

Und warum tut er das nicht?

Freiheit lässt er ihr kaum aus Desinteresse. Wohl eher, weil er Wertschätzung für diese Elfriede empfindet. Und da, wo eine solch famose Empfindung in jemandem köchelt, da braut sich Empathie zusammen (wenn dieser Jemand sie nicht ohnehin bereits mit Löffeln gefressen hat).

Eine Lust, die anziehend macht

So jemand steigert sein Einfühlungsvermögen, kriegt Lust, in die Elfriede, die er liebt, hinein zu hören, möchte herausfinden, was ihr gut tut, möchte ihre Stimmung in ihrem Ausdruck entziffern, ist darauf aus, Freude zu bereiten - und legt Wert darauf, nicht nur vom Sonntagsgesicht der Geliebten beschienen zu werden, sondern wünscht sich, dass sie ihn auch mit ihren traurigen, mit ihren Schattenseiten konfrontiert. Schließlich weiß ein jeder Egon: Solche Facetten verrät eine Elfriede nicht jedem Harry. Und wenn sie sich traut, ihm auch ihr dunkleres Gesicht zu zeigen, sucht Egon umso lieber den Schalter, um helles, belebendes Licht anzuknipsen.

Wer das Glück hat, solch empathisch funktionierende Partnerschaft in Freiheit zu erleben, fühlt sich hingezogen. Aber nicht durch sein oder ihr kraftvolles Gezerre, sondern durch Anziehung. Solche Anziehung kann etwas Mystisches haben. - Etwas Erotisches auf jeden Fall.

Der Text aus ist aus dem Blog Liebe ART.

1 Kommentar:

malte hat gesagt…

Schöner Text und sehr interessanter Ansatz. Gefällt mir und hat denk ich einen großen Wahrheitsgehalt...für mich jedenfalls...=)